Wald-Exkursion in Südbrandenburg

Wald-Exkursion in Südbrandenburg

J. Rosemund ¦ Im Juli 2015 hatte ich das Glück, mich einer Exkursion von Forst-Referendaren aus Hessen in die Landeswaldoberförsterei Hammer in Südbrandenburg anschliessen zu können. Die Referendare waren auf einer Erfahrungstour durch das nördliche Deutschland und wollten nun auch die Kiefernwirtschaft in Brandenburg kennenlernen. Es wurde ein Revier der Landeswaldoberförsterei (Adlershorst) südlich von Teupitz und dann zwei Privatwaldreviere südlich von Märkisch Buchholz besucht. Bei den Revieren handelt es sich um sehr arme Sandböden mit einem jährlichen Niederschlag um 500 mm.

Geführt wurde die Exkursion vom Leiter der Landeswaldoberförsterei Hammer, Tim Ness, und von Hoheitsrevierförsterin Monika Stiehl, die vor 18 Jahren ihre Tätigkeit als Revierförsterin im damals noch beschaulich kleinen Revier Oderin begonnen hat und sich heute über die Ergebnisse ihrer Arbeit freuen kann. Nachdem die Referendare am Vormittag bereits mehrere Punkte des Landeswaldes besucht hatten, gab es nach dem Mittagessen nur eine kurze Stippvisite in einem Landeswald mit altem Kiefernbestand und ca. 35-jähriger Naturverjüngung.

Schwerpunkt der weiteren Exkursion lag auf zwei größer zusammenhängenden Privatwaldgebieten, deren Besitzer ausgesprochen unterschiedliche Ziele beim Waldbau verfolgen. Der „Privatwald A“ wurde 1998 von der BVVG erworben, ist jetzt ca. 1000 ha groß und zweigeteilt, dazwischen liegt der „Privatwald B“. Dieser Umstand hat besondere Auswirkungen im Bezug auf Jagd und Verbiss. Der Eigentümer von „Privatwald A“ setzt den von Försterin Stiehl begonnenen Waldumbau in einen standortgerechten Mischwald fort. Er setzt auf Naturverjüngung, pflanzt aber auch geeignete Baumarten dort, wo Samenbäume fehlen oder, wie die Douglasie, neu ein.

Allerdings klappt die Naturverjüngung bzw. die Neupflanzung nur hinter einem Wildschutzzaun, da der Wildbestand, insbesondere der Rotwildbestand, zu hoch ist. Seit zwei Jahren macht er aber auch Versuche, ohne Zaun auszukommen. So hat er in einem großen, älteren und lichten Kiefernbestand Douglasien gepflanzt und zwar nicht einfach in Reih und Glied, sondern er hat individuelle, günstige Standorte für jede Pflanze gesucht. Damit diese Pflanzung auch ohne Zaun erfolgreich wächst, setzt der Waldbesitzer A auf Fläche: Jedes Jahr unterpflanzt er so ca. 30 ha Kiefernaltholz, die bisher kaum Ausfälle aufzeigen. Den Umbaumaßnahmen und dem Wald merkt man an, dass „Waldbesitzer A“ nicht auf aktuellen Gewinn setzt, sondern für seine Zukunft und die seiner Erben plant.

„Waldbesitzer B“ (ca. 400 ha, erworben 1999) hat ein ganz anderes Ziel, ihm geht es hauptsächlich um die Jagd. So bewirtschaftet er seinen Kiefernwald im Kahlschlagverfahren, jeweils hart an der Grenze der gesetzlich erlaubten 2 ha, Danach pflanzt er wieder Kiefern, muss aber die Pflanzung mit einem Zaun schützen, da sie sonst nicht „hoch kommt“. So gibt es fast ausschließlich unterschiedlich alte Kiefernbestände. Wild, insbesondere Rotwild, findet in den jungen Kieferndickungen wohl Einstand, aber kaum Äsung. „Waldeigentümer B“ hat auf seinen sandigen Wegen kilometerlange „Wildäcker“ angelegt, wo er insbesondere Mais und Getreide einarbeitet, Diese sind aber eher eine Fütterung für Schwarzwild, Rotwild, Rehwild und Vögel (sogar Kraniche) im Wald, damit das Wild nicht mehr auf die Feldflur ziehen muss.

So bleibt es natürlich nicht aus, dass das Wild in das „Nachbarrevier A“ zieht, um dort vom naturnahen Waldbau des Eigentümers „A“ zu profitieren. Dies kann man dem Wild nicht verdenken, wer nagt schon gerne an Kiefernnadeln und -rinde, wenn es in der Nachbarschaft saftige Kräuter und Blätter gibt? In einer solchen Situation sind natürlich Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Leider muss die Forstaufsichtsbehörde die reine Kiefernwirtschaft im Revier „B“ dulden, weil die Bewirtschaftung im Rahmen des Brandenburger Waldgesetzes dem Eigentümer obliegt, solange er sich an die Vorschriften hält. Und die einzelnen Paragraphen sind dehnbar und eine Frage der Auslegung.

Solange das Gesetz vorgibt: bis 1,99 ha Kahlschlag darf ohne vorherige Genehmigung durchgeführt werden, gehört diese Verfahrensweise zur „ordnungsgemäßen Forstwirtschaft“ – wenn die Fläche nach Abholzung wieder aufgeforstet wird. Nicht nur Forstreferendare, auch Laien können bei der Fahrt durch diese Wälder die sehr unterschiedlichen Nutzungskonzepte der beiden Waldeigentümer deutlich erkennen.

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