Exkursion nach Rumänien 2015

Exkursion nach Rumänien 2015

Exkursion nach Ungarn und Rumänien mit den ANW-Landesgruppen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im September 2015:

Nach ruhigem Flug landeten wir am 6. September 2015 in Budapest und fuhren mit unserem rumänischen Reisebusunternehmer für 2,5 h in die City. Wir stärkten uns und bummelten etwas durch die Straßen, um anschließend weiter nach Visegrad zu fahren. Gemeinsam fuhren wir nach dem Hotelbezug in die beachtliche Altstadt von Visegrad. Bald wurde ein sehr schönes ungarisches Restaurant entdeckt und der gemütliche Teil des Tages nahm mit tollen ungarischen Köstlichkeiten seinen Lauf.

Ungarische Forstwirtschaft, 7. September

Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir zu unseren ungarischen Forstkollegen in den Pilis Park Forst bei Visegrad auf. Wir wurden dort freundlich in einem großen Forsthaus begrüßt und erhielten per Powerpoint-Vortrag die wesentlichen Informationen zum Exkursionsgebiet, zu Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz. Dann folgte die Besichtigung der bekannten Burg in Esztergom an der Donau. Die Führung bekamen wir von einem Deutschen, der wegen der schönen ungarischen Frauen nun dort lebt. Es war schön, etwas über die wechselvolle, kriegerische Geschichte der Region in deutscher Sprache erklärt zu bekommen. Bei allen weiteren Exkursionspunkten mussten wir auf unsere Englischkenntnisse (oder die der Kollegen) zurückgreifen.

Danach ging es, begleitet von den ungarischen Kollegen, in den Wald. Ich hatte Robinienplantagen erwartet und war begeistert, als wir Buchen, Eschen und Eichen sahen. Leider waren diese in ihrer Vitalität beeinträchtigt. Die Bäume hatten arg unter einem in Ungarn seltenen Eisbehang gelitten. Ansonsten gab es gute Böden und Niederschläge mit mehr als 700 mm pro Jahr. Die guten Ausgangsbedingungen für das Waldwachstum zeigten sich in mächtigen Baumgestalten und einer artenreichen Bodenvegetation mit Bingelkraut und Waldgerste.

Zur Mittagsstunde begrüßten uns Trommler vor einem „Mittelalterrestaurant“. Es gab ein zünftiges Rittermahl und jeder hatte die Gelegenheit, sich eine Krone auf das Haupt zu setzen. Wenn wir uns auch nicht gleich wie Könige fühlten, so doch wie sehr freundlich aufgenommene Gäste.

Dann ging es wieder zurück in die Wälder. Ein Weisergatter mit phänomenaler Eichenverjüngung zeigte den starken Einfluss des Wildes, denn außerhalb des Zäunchens waren Eichen nur sporadisch zu sehen. Dinge, die wir ja alle aus unserer Heimat zur Genüge kennen. Da es in Ungarn nur wenige Kollegen gibt, die sich mit naturgemäßer Waldwirtschaft beschäftigen, haben wir uns besonders über diese gemeinsamen Stunden gefreut. Der Exkursionsleiter Dr. Czepanyi war gerade dabei Deutsch zu lernen, passend dazu gab es als Dankeschön das Buch „Die Zukunft des Waldes“ von Georg Meister. Zum Abendbrot trafen sich dann alle wieder in der gemütlichen ungarischen Gaststätte in Visegrad, um unsere Eindrücke zu besprechen und von scharfem Peperoni und rotem Wein zu kosten.

Fahrt nach Timişoara (Temeswar) und nach Valiug (Franzdorf), 8. September

Nach dem ungarischen Hotelfrühstück fuhren wir über die Autobahn an Budapest vorbei, durch die ungarische Tiefebene (Teil der pannonischen Tiefebene) über die Grenze nach Rumänien. Unser erstes Ziel war die Stadt Timişoara (Temeswar) mit ca. 400.000 Einwohnern. Hier empfing uns nach der langen Busfahrt Prof. Borlea zu einem opulenten Mittagessen. Anschließend wurden wir von einem promovierten Historiker über die sehr wechselvolle Geschichte von Timişoara unterrichtet und durch selbige geführt. Timişoara ist eine wunderbare Stadt der Kontraste, mit besonderer Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. So wurde sie als erste Stadt in Rumänien 1989 vom Kommunismus befreit!

Weiter ging es, mit neuem Busfahrer, in das Banater Bergland nach Valiug (Franzdorf) am Fuße des Semenic-Gebirges. Wirtschaftlich wurde die Region durch das Hüttenwerk in Reşiţa und dem Kohlebergbau geprägt. Aber auch die Holzindustrie hatte einen großen wirtschaftlichen Stellenwert. Heute sind nur noch riesige Industrieruinen zu erkennen und an den für die Flößerei angelegten Stauseen hat sich der Tourismus entwickelt. Der örtliche Forstamtsleiter wurde in seiner Amtsstube abgeholt und begleitete samt seiner Familie uns den ganzen Abend. Leider konnten wir aufgrund der langen Fahrtzeit dass einzige Waldbild an diesem Tag nur im Dunkeln „erahnen“! Daher einen Auszug aus dem Exkursionsführer.

Der Forstbezirk Valiug bewirtschaftet ca. 14.000 ha, in einem kompakten Waldgebiet im Semenic-Gebirge in einer durchschnittlichen Höhenlage von 850 m mit 1000-1200 mm Niederschlag. Die vorwiegenden Buchenwälder (76 %) gründen auf Glimmerschiefer und granit- und basalthaltige Gesteinen. Die Tanne ist mit 9 % und die Fichte mit 5 % beteiligt. Die Wälder waren Eigentum des österreichischen-ungarischen Staates. Durch die intensive Nutzung wurde bald ein fortschrittliches Einrichtungswerk erstellt. Dabei wurde der „Samenschlagbetrieb“ in der Buche, in einem Zyklus von 80–100 Jahren bis in die 1950er Jahre angewendet. Dabei wurden neben Pflegeschnitten, Lichtstellungshieben die ersten horstweisen Plenterungen im Nadelwald im Jahre 1840 durchgeführt. Im Jahre 1951 wurde zum ersten Mal Plenterungshiebe neben dem Samenschlagbetrieb zum Schutz gegen die Kolmatierung des Stausees Gozna, mit vorgesehen. Nachfolgende Forsteinrichtungen vergrößerten die Fläche der horstweisen Plenterungshiebe weiter.

Das Ergebnis sind auf 40 % der Fläche sogenannte Mehraltrigkeitsstrukturen geschafft zu haben. Diese sind regional sehr wichtig um ein gutes hydrologisches Gleichgewicht zu schaffen (Stauseen). Weiterhin zeigen die Wälder beachtliche Holzvorräte auf. Die natürliche Regeneration ist in einem Großteil gesichert und es werden gesündere und stabilere Wälder erreicht. Die heutigen Besitzverhältnisse sind undurchsichtig. Altansprüche und Waldverkäufe lassen nichts Gutes ahnen. Das Quartier wurde spät bezogen in einem kleinen Skiort auf dem Berg Semenic. Das Abendbrot viel sehr deftig aus und der Abend wurde noch sehr gemütlich.

Buchenurwälder im Semenikgebirge am 9. September

Der Morgen begann mit einer Stunde mehr Schlaf, oder für manche zu früh und einem sehr deftigen rumänischen „Bergfrühstück“ bestehend aus Räucherspeck, Käse, Rührei, Knoblauchwurst, Auberginenpaste und dünnem Kaffee (brr…). Bei herrlichem Spätsommerwetter führte uns eine kurze Bergfahrt fast bis auf den höchsten Gipfel des Gebietes, den 1446 mNN hohen Semenic. Die letzten Meter erledigten wir zu Fuß und wurden mit einer guten Fernsicht über die Matten eines kleinen Skigebietes hinweg zu den benachbarten meist bewaldeten Bergketten der Südostkarpaten belohnt. Die natürliche Baumgrenze war nur scheinbar erreicht, denn die alpinen Wiesenmatten waren anthropogenen Ursprungs und durch Rodung und Beweidung entstanden.

Die anschließende leichte Wanderung führte uns in die Bergwälder des 2000-2002 gegründeten Nationalparks Semenic. Die seit einiger Zeit aus der Nutzung entlassen Buchenwälder mit eingemischter Fichte entpuppten sich im wesentlichen als ein frühes Entwicklungsstadium sekundärer „Urwälder“. Die Tanne fehlte vollständig und typische Weidepflanzen wie Enzian und Weißer Germer zeugten von der Nutzungsgeschichte ebenso, wie eine eingestreute Bergwiese, die bereits während der Türkeninvasion durch Rodung entstanden war.

Mehrere wissenschaftliche Versuchsflächen waren in der jüngsten Vergangenheit angelegt worden. Jedoch sehen wir aus Zeitgründen die beste Fläche in ca. 1000 mNN nicht, welche von Rotbuche dominiert, eine Mittelhöhe von mehr als 50 m und einen angeblichen Vorrat von ca. 1200 m³/ ha aufweisen sollte. Die Wanderung endete wieder unterhalb des Semenic-Gipfels und nach kurzer Fahrt mit unserem Kleinbus wurden wir von den örtlichen rumänischen Forstkollegen zu einem opulenten ausgedehnten Mittagessen in einer Wirtschaft in Ort Wolfsberg geladen. Der Gastraum war eher ein kleines Museum, der auch deutsche „Besiedelungsspuren“ vermuten ließ, denn ein an der Wand prangender Spruch mit entsprechend zeichnerischer Gestaltung sorgte für Heiterkeit: „Das Kreuz allein wär nicht so schwer, wenn das böse Weib nicht wär!“ Es waren auch Frauen in unserer Reisegruppe … aber die waren zumeist humorvoll. Das Essen war landestypisch und sehr schmackhaft.

„Semenic-Menü“: Zum Beginn und Anregung der Geschmacksnerven eine köstlich lockere Polenta mit Käseflöcken und Sahne, zur Erholung dazwischen und Erwärmung der Magenwände eine Suppe mit scharfer Peperoni-Einlage, als Hauptgang dann fangfrische Forelle mit Salat, alles gut gespült mit einem sehr guten Weißwein, und als Absacker den obligatorischen Schnaps, viel von letzterem rumänische Gastfreundschaft heißt sich Zeit nehmen, vor allem zum Essen und Trinken … das wird der Handlungsleitfaden für die nächste Exkursion!

Die anschließende Fahrt nach Sibiu (Hermannstadt in Siebenbürgen) unterbrachen wir zum Kaffeestopp an einer bedeutenden römischen Ausgrabung ca. 100 nach Christus (leider ohne Besichtigung). Vom dort sah man die zum Teil wolkenverhangenen Gipfel Peleaga 2509 mNN und Papusa 2508 mNN des Retezat-Gebirges (ältester Nationalpark Rumäniens 1935 gegründet) als höchste Berge des südöstlichen Karpatenbogen. Sibiu erreichten wir im Dunkeln und waren froh, nahe am Rande der Altstadt unser Hotelquartier (halbfertiger Neubau) beziehen zu können.

Sibiu (Herrmannstadt) und Urwald bei Fagaras am 10. September

Nach einem anständigen Frühstück inkl. Kaffee begann der Tag mit einer Führung durch die Altstadt von Sibiu (dt. Hermannstadt) durch Mihai. Sibiu hat ca. 150.000 Einwohner, von denen nur noch 1,6 % Deutsche sind. Es waren wohl alle beeindruckt von dieser schönen Stadt im Aufschwung. Bemerkenswert viel alte Bausubstanz in Ober- und Unterstadt, eine riesige evangelische und eine ebenso beeindruckende katholische Stadtpfarrkirche. Hier lernten wir die Köstlichkeiten der hiesigen Bäckereien kennen und erinnerten uns an den Duft der Backstuben der Kindheit.

Nach dem Stadtrundgang im schnellen Schritt fuhren wir nach Rasinari (dt. Städterdorf), 8 km südwestlich von Sibiu. Bis 2011 war die Anfahrt noch mit der Straßenbahn möglich und Pläne für die Wiederaufnahme des Betriebes gibt es. Die knapp 6.000 Einwohner dieses idyllischen Ortes leben von Schafzucht, Holzverarbeitung und Tourismus. Früher soll es die Harzgewinnung gewesen sein, die (nicht standortgerechten) Kiefern an den Berghängen zeugen noch davon. Nicht nur die wunderschönen Holztore der Gehöfte, die sich an den Dorfstraßen entlang reihten, waren beliebte Fotomotive.

Weiter ging es in den Nationalpark bei Fagaras. Eine beschwerliche Anfahrt ließ uns verspätet anreisen, jedenfalls hatten die hiesigen Förster kaum Zeit für uns. Auf sie wartete die Bärenpirsch mit zahlenden Gästen. Also die vorhandenen zwei Autos fix den Berg hoch gequält und dann weiter zu Fuß durch den Buchen- und Tannen-Urwald bis in ca. 1.400 m Höhe: Tannen bis 67 m Höhe und höchste Vorräte. Die ständigen Fragen nach der Tierwelt beantwortete Mihai nach einer Weile so: es gibt alles außer Elch und Bison. Schwer zu glauben, aber wohl doch wahr und für einige erfüllte sich der Wunsch nach einem Anblick von Bären in freier Wildbahn. Eine Bärin mit drei Jungen kreuzte den Weg!

Spät erreichten wir Braşov (dt. Kronstadt) und machten uns noch auf zum Abendessen in die schöne Altstadt. Einigen war die Wanderung noch zu wenig Bewegung und sie „tanzten in die Nacht“.

Braşov (Kronstadt) und Rasnov (Rosenau) – Timişoara – Budapest am 11./12. September

Heute Morgen lagen dicke Regenwolken über der Stadt, so dass nur wenige die Stadtbesichtigung mit Mihail unternahmen (was wohl auch an der intensiven Vorabendveranstaltung lag). Die Stadt zeigt sich in einem mitteleuropäischen Standard was uns alle sehr positiv überraschte! Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, diese alte und schöne Stadt zu besichtigen. Danach ging es zur Besichtigung der Bauernburg nach Rasnov (Rosenau). Diese wurde durch den Deutschen Ritterorden 1215 zum Schutz vor Angriffen gebaut.

Nun kam wieder eine sehr lange Fahrt zur nächsten Übernachtung nach Timişoara. Diese wurde freudig unterbrochen durch den Kauf von heimischem Ziegenkäse am Straßenrand und unser traditionellen rumänischen Folkloremusik. Nach der kurzen Nacht in Timişoara ging es weiter auf die lange Fahrt zum Flughafen nach Budapest und mit dem Flieger zurück nach Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.