ANW-Tannentagung am 1. April 2017 ein voller Erfolg

ANW-Tannentagung am 1. April 2017 ein voller Erfolg

J. Rosemund, A. Schulze ¦ Am Morgen des 1. April 2017 konnten die Einwohner des kleinen Dorfes Gandenitz (300 Einw.) eine erstaunliche Invasion beobachten. Fast 100 Besucher belegten jeden nur möglichen Parkplatz und strömten in das Gasthaus Zur Linde zur Weißtannen-Tagung der ANW Brandenburg.

Dietrich Mehl, Vorsitzender der ANW Brandenburg, begrüßte die Teilnehmer und übergab die Tagungsleitung an Michael Duhr. Nach einer kurzen Einführung zum Ziel der Veranstaltung, nämlich ob die Weißtanne eine Zukunft in Brandenburg haben kann, stellte Duhr den ersten Redner vor.

Wolf Hockenjos, „Vater der Weißtanne“ aus dem Schwarzwald, wirbt seit Jahrzehnten in Wort, Schrift und Bild für die Weißtanne. Und so war auch sein Vortrag „Die Tanne, eine Zukunft für Abies Alba?“ ein engagiertes und emotionales Plädoyer für die Weißtanne. In Anlehnung an die Buche als „Mutter des Waldes“ titulierte er die Weißtanne als „Mutter der Nadelhölzer“. Seiner Meinung nach hat sie auch in Brandenburg gute Chancen.

Hockenjos ANW 01.04.2017 Templiner Tannenvortrag

Im Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Schwarz – „Optionen zur Verwendung von Tannenholz“ – ging es inhaltlich um die Frage der Wirtschaftlichkeit von Tannenholz. Schwarz räumte mit dem Vorurteil auf, dass die Weißtanne schlecht zu vermarkten und schlecht zu bearbeiten sei. Er zeigte an vielen Beispielen, wie dauerhaft und wertvoll Weißtannenholz ist. Natürlich muss man auch bei der Weißtanne, wie bei anderen Holzarten, die besonderen Eigenschaften beachten. Für die Vermarktung von Weißtannenholz sollte grundsätzlich mindestens eine LKW Ladung zusammen kommen. Schwarz sah Potenziale für Weißtannenholz bei der Herstellung von Lamellen. Er ging davon aus, dass hierzu eine Mindestmenge von 600.000 fm (Zopf 40 bis 60 cm) über einen Zeitraum von 10 Jahren auf dem Markt vorhanden sein muss, um zwei Verarbeitungsbetriebe im Land Brandenburg zu versorgen.

 Schwarz ANW 01.04.2017 Präsentation Tanne

Weiter ging es mit dem Vortrag von Prof. Dr. Peter Spathelf „Waldbauliche Optionen mit Weißtanne in Brandenburg“. Spathelf referierte in seinem Vortrag zur Anpassungsfähigkeit der Weißtanne, zur genetischen Vielfalt, zum Wachstum und schließlich zum Klimarisiko der Weißtanne. Basierend auf den Erfahrungen aus Anbauversuchen in der Landeswaldoberförsterei Doberlug skizzierte er einen möglichen Bestandszieltyp mit führender Weißtanne in Brandenburg. Dieser sollte insbesondere auf terrestrischen Standorten der Nährkraftstufen K bis M in den Klimastufen Tf und Tm realisiert werden. Aber auch wechselfeuchte und mineralische Nassstandorte hält Spathelf für geeignet. Als Misch- oder Begleitbaumart sei die Tanne auf entsprechenden Standorten im Kiefern-, Buchen- oder im Douglasienmischwald denkbar.

Spathelf ANW 01.04.2017 Vortrag

Der Forstbezirk Eibenstock in Sachsen ist das Mekka der Weißtannenfreunde in Ostdeutschland. Stephan Schusser, Leiter des Forstbezirkes, zeigte in beeindruckenden Bildern und mit viel Engagement die Erfolge bei der Etablierung der Weißtanne im Forstbezirk Eibenstock. Besonders ging er auf die Sortimente, die Herkünfte und die Pflanz- sowie Saatverfahren ein, die zur erfolgreichen Etablierung von Weißtannenverjüngungen notwendig sind.

Schusser ANW 01.04.2107 Etablierung WTA ANW Brbg. 2017

Als Einstieg in die Exkursion am Nachmittag referierte Forstbetriebsleiter Jürgen Schuppelius über die Weißtannenbewirtschaftung im Stadtforst Templin. Unter dem Aspekt der Produktverbreiterung und der Klimaveränderung arbeitet die Stadtforstverwaltung Templin schon seit vielen Jahren mit der Weißtanne, um die Wälder zu stabilisieren und das Absatzportfolio zu erweitern. Schuppelius wies auf die besondere jagdliche Situation hin. Der städtische Eigenjagdbezirk besteht im Exkursionsteil aus einem ca. 800 Meter schmalen Waldstreifen und die angrenzenden Jagdnachbarn sind nicht an waldangepassten Wildbeständen interessiert, sondern verfolgen eher gegenteilige Interessen. Durch die engagierte Eigenbejagung der Stadtwaldflächen in diesem Revierteil ist trotz der ungünstigen Flächenform die Etablierung von Laubholz-Naturverjüngungen ohne Schutzmaßnahmen möglich. Allerdings gelingt die Verjüngung von Weißtannen i.d.R. nur im Zaun.

Schuppelius ANW 01.04.2017 Weißtanne

Nach einer kurzen Mittagspause mit Suppe, Würstchen und vielen Fachgesprächen fuhren drei Exkursionsgruppen in das Revier Gandenitz. Das liegt in der Klimastufe Tf. Die Exkursionsleitung übernahmen neben Herrn Schuppelius der zuständige Revierleiter Christian Hierdeis und sein Kollege Joachim Lange.

Am Exkursionspunkt 1 wurden vor 14 Jahren Weißtannen im Zaun streifenweise in einen jetzt 140- jährigen Buchbestand auf einem K2 Standort gepflanzt. Die Weißtannen entwickelten sich gut. Aufgrund der Buchenkonkurrenz in der Verjüngung entschied sich der Revierleiter Christian Hierdeis, die gleichwüchsige Buchenverjüngung für die Weißtanne zurückzuschneiden. Über die Notwendigkeit dieser Maßnahme wurde naturgemäß rege diskutiert. Es wurde deutlich, dass die Weißtanne als Schattbaumart hervorragend zur Komplementierung von Buchenverjüngungen geeignet ist.

Am Exkursionpunkt 2 wurde uns mit 39 Meter Höhe die höchste ca. 200 Jahre alte Weißtanne Brandenburgs gezeigt. Wie die Weißtannen in diesen Bestand kamen, lässt sich leider nicht mehr recherchieren. Es handelt sich um einen Mischbestand aus Rotbuche, Eiche, Kiefer, Fichte und Weißtanne auf einem K2 Standort, der frisch durchforstet wurde. Naturverjüngungen aus Buche, Eiche, Kirsche und Ahorn waren vorhanden, die Weißtanne fehlte allerdings in der Verjüngung. Einzelne Weißtannen-Natürverjüngungen war zu finden, aber extrem verbissen. In der Diskussion wurde der Vorschlag unterbreitet, die Fläche versuchshalber zu zäunen.

Am Exkursionspunkt 3 fanden die Teilnehmer einen 55 jährige, geasteten und gezäunten Weißtannenbestand mit 115 jährigem Überhalt aus Douglasie, Roteiche und Buche auf einem K2 Standort vor. Bei der Frage, wie der Bestand durchforstet werden soll, gingen die Meinungen weit auseinander. Ein Teil der Exkursionsgruppe favorisierte die Auswahl von Z-Bäumen und deren konsequente Begünstigung, kombiniert mit der behutsamen Ernte einzelner Exemplare des Überhalts. Der andere Teil der Exkursionsgruppe forderte eine Plenterung des Bestandes. Angelehnt an die Stammzahlverteilung einer Plenterkurve, sollten einzelne schlechtwüchsige Weißtannen entnommen werden. Dadurch würden die mittleren Durchmesser nicht unverhältnismäßig stark dezimiert und es gäbe Möglichkeiten für die Etablierung von Weißtannen-Verjüngungen, die in der Plenterkurve des Bestandes bisher fehlen.

In der Abschlussdiskussion wurden der Weißtanne durchaus Potenziale im Land Brandenburg zugesprochen. Diese liegen eindeutig in dem von Professor Spathelf skizzierten Standortsspektrum. Die Weißtanne stellt hier als Schattbaumart eine echte heimische Nadelbaumalternative zur Kiefer oder Douglasie dar. Unbeantwortet blieb allerdings die Frage, ob die Weißtanne aufgrund der Verordnung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin in Biosphärenreservatsflächen verwendet werden darf. Falls dies möglich sein sollte, ergibt sich mit der Weißtanne eine heimische Nadelbaumalternative in naturgemäßen Wirtschaftswäldern in Biosphärenreservatsflächen.

Insgesamt war die Tagung rundum erfolgreich. Die Teilnehmer konnten viele neue Erkenntnisse zur Weißtanne in Brandenburg mitnehmen und so war es auch ein guter Einstieg in die „Weißtannen-Offensive“ des ANW Bundesverbandes. Die Präsentationen befinden sich auf der Website der ANW Landesgruppe Brandenburg (www.anw-brandenburg.de) .

Allen Vortragsrednern, dem Team des Stadtforstes Templin und den Organisatoren Andreas Schulze und Michael Duhr (sie hatten auch das tolle Frühlingswetter eingeplant) sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt, es war ein schöner und lehrreicher Tag.

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